Eine Geschichte zum Vorlesen und Ausmalen:
Reh Ralf, Hase Henry und die leise träumenden Trauben
Tauchen Sie ein in die sanfte Hügellandschaft der Südpfälzer Weinberge und erleben Sie eine liebevoll erzählte Geschichte für die ganze Familie. Begleitet von detailreich gestalteten Ausmalbildern lädt dieses besondere Kinderseiten-Erlebnis Kinder und Erwachsene dazu ein, die Welt des Weins, der Natur und der regionalen Winzer auf kreative Weise zu entdecken.
Gemeinsam mit Reh Ralf und Hase Henry reisen die Leser durch die Weinberge im Wechsel der Jahreszeiten. Dabei erfahren sie, wie Reben wachsen, wie viel Sorgfalt Trauben benötigen und warum Geduld, Fleiß und ein respektvoller Umgang mit der Natur zum Alltag eines Winzers gehören. Die Südpfalz zeigt sich dabei von ihrer schönsten Seite – als Heimat vielfältiger Tiere, idyllischer Winzerhäuschen und lebendiger Weinlandschaften.
Ob Reben, Trauben oder Waldtiere: Zahlreiche Motive warten darauf, mit Farben zum Leben erweckt zu werden. Diese Geschichte verbindet Vorlesespaß, regionale Verbundenheit und kreative Auszeit und macht das Weingut Doppler Hertel auch für Familien und junge Entdecker erlebbar.
Dort, wo die Südpfalz beginnt, wo die Hügel weich sind und die Sonne besonders freundlich scheint, lebte ein kleines Reh namens Ralf. Ralf war noch jung, ein bisschen tollpatschig – und niemals allein. Denn immer war sein bester Freund Hase Henry bei ihm. Henry hatte ein weiches Fell, ein Ohr hing ein kleines bisschen schief, er war eher schweigsam und kannte sich hervorragend in der Umgebung aus. Wenn Ralf Angst hatte, hielt er sich dicht an Henry. Wenn Ralf müde war, kuschelte sich Henry eng an ihn. Die Luft roch nach Sommer, nach Erde und manchmal nach warmem Stein. In der Ferne sah man den Pfälzerwald, grün und beschützend, und davor lagen die Weinberge wie grüne Decken über der Landschaft. Ralf liebte diese Gegend. Und am allerliebsten war er hier mit Henry. Gemeinsam erkundeten sie jeden Weg, jedes Rascheln zwischen den Reben. Mit Henry an seiner Seite fühlte sich alles wunderbar an.
Ein Zuhause für die Reben
Die Weinberge mochte Ralf besonders gern. Die Reben wuchsen auf hellem, braunen oder rötlich-farbenem Boden – manchmal sandig, manchmal steinig, manchmal ein bisschen lehmig. „Der Boden ist wie ein Bett für die Reben“, dachte Ralf. „Nicht zu hart, nicht zu weich.“ Die Reben standen ordentlich in Reihen, und ihre Wurzeln reichten tief in die Erde. So konnten sie auch dann Wasser finden, wenn es lange nicht regnete.
Wenn Pflege beim Wachsen hilft
Im Frühling beobachteten Ralf und Henry oft den Winzer. Er ging ruhig durch den Weinberg und schnitt mit einer Schere alte Triebe ab. „Warum tut er das?“, flüsterte Ralf. Die Reben raschelten leise: „Damit wir unsere Kraft sammeln können.“ Später band der Winzer die jungen Triebe vorsichtig nach oben. So konnten sie gut wachsen, ohne sich zu verheddern – fast so, wie Henry Ralf half, wenn er sich im Gebüsch verirrte.
Sonne, Luft und Aufmerksamkeit
Im Sommer wurden die Blätter groß. Der Winzer nahm manche davon weg, damit Sonne und Luft zu den Trauben kommen konnte. „Nicht zu viel, nicht zu wenig“, murmelte er. Ralf verstand: Die Reben mochten es ausgeglichen – genau wie er. Wenn es nötig war, schützte der Winzer die Pflanzen vor Krankheiten und lockerte den Boden, damit der Regen gut einsickern konnte.
Viele Trauben, viele Geschmäcker
Bald entdeckte Ralf: Nicht alle Trauben sahen gleich aus. Manche waren hell und rund, andere kleiner oder dunkler. Manche schmeckten süß, andere frisch oder ein bisschen würzig. „Das sind verschiedene Rebsorten“, flüsterten die Trauben. „So wie Tiere unterschiedlich aussehen, schmecken wir auch unterschiedlich.“ Ralf lächelte. Henry auch.
Die Zeit des Wartens
Eines Nachmittags, als die Sonne hoch am Himmel stand, blieben Ralf und Henry stehen. Über ihnen hingen runde, glänzende Trauben. „Schau mal, Henry“, flüsterte Ralf, „sie sehen aus wie kleine Monde.“ Da bewegten sich die Trauben sanft im Wind und flüsterten: „Wir sind noch nicht fertig.“ „Nicht fertig womit?“, fragte Ralf. „Mit Wachsen. Mit Warten. Mit Träumen.“ Ralf setzte sich ins Gras dicht neben Henry und kuschelte sich an sein weiches Fell. Warten mochte er sonst nicht. Aber mit Henry fühlte sich das Warten leicht an. Sie hörten die Bienen summen und spürten die warme Erde unter sich.
Tag für Tag kamen sie zurück. Die Trauben wurden größer, runder, dunkler. „Danke, dass ihr uns Zeit gebt“, flüsterten sie eines Abends. „Warum braucht ihr so viel Zeit?“, fragte Ralf. „Weil alles Gute langsam wächst“, sagten die Trauben. „So wie Mut. Und Vertrauen. Und Freundschaft.“
Der richtige Moment
Als der Herbst kam, die Sonne die Weinberge golden färbte und die Tage kühler wurden, war es so weit. Die Trauben waren reif. Der Winzer kam mit Körben, probierte die Trauben und wartete. „Heute noch nicht“, sagte er manchmal. Und dann eines Tages: „Jetzt.“ Ralf verstand: Der richtige Moment braucht Geduld – und Gefühl.
„Wusstest du“, flüsterten die Trauben, „dass nicht nur wir entscheiden, wie wir später schmecken? Auch der Winzer hilft mit seinen Entscheidungen. Wie er uns pflegt. Wann er uns erntet. Wie vorsichtig er ist.“ Ralf dachte nach. So wie Henry ihn begleitete, begleitete der Winzer die Trauben.
Einschlafen im Weinberg
Als der Abend kam, legte sich Ralf ins Gras. Henry lag dicht an seinem Bauch gekuschelt. Die Reben raschelten leise im Wind, und über allem lag die Ruhe der Südpfalz. Alles schmeckt später so, wie es vorher behandelt wurde“, murmelte Ralf schläfrig. Henry blinzelte wissend.
Und während man in der Ferne noch die Trauben vor Freude über ihre Reife rascheln hörte, schliefen Ralf und Henry ein – zwischen Reben, Geschichten und vielen köstlichen Trauben.
Alles wächst auf seine eigene Art. Alles braucht Zeit. Und jedes gute Ergebnis entsteht aus vielen kleinen guten Entscheidungen. So wie im Weinberg.





